Der Ring der Heiler
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> Schwanzgeschichten, Eine Mutationsstudie
Erik
Geschrieben am: Apr 8 2014, 10:23 AM
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Heiler
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Vielen in der Leserschaft wird die Ansicht, jedes Lebewesen als physiologisch abgeschlossene Einheit betrachten zu können, durchaus ein Begriff sein.
Doch verhält es sich zuweilen so, dass diese Einheit unverhofft um einen Teil ergänzt wird.


In einem Dorf, das von Rattenwesen, besser bekannt als „Skaven“ infestiert war, führte die Bekämpfung selbiger zu einem erhöhten Aufkommen an leicht entzündlichen Biss- und Schnittverletzungen, ebenso wie leichten Vergiftungsfällen.

Soweit so unspektakulär, wird der erfahrene Heilkundige nun feststellen und die Arbeit aufnehmen, doch leider kam es im weiteren Verlauf der Ereignisse zu gravierenden Spätfolgen, die allerdings durch die klassische Diagnostik kaum bis gar nicht erfassbar sind.

Das, was uns als erstes stutzig machte, waren die Berichte von einem unergründlichen, grün glimmenden Gestein, eher noch von Kristallformationen, die von den Skaven unter Tage abgebaut und gehortet wurden.
Vermutlich hat es sich dabei um das sogenannte „Warpgestein“ gehandelt – äußerst fatal für Magieanwender, ebenso toxisch bis schwer mutagen.

Wir hatten während des Aufenthalts in eben diesem Dorf mehrere Mutationen, die quasi aus dem Nichts heraus entstanden, was es auch für uns besonders schwierig gemacht hat, in irgendeiner Weise, über die Wundversorgung und Entgiftung hinausgehend Vorsorge zu treffen und somit (un)erwünschte Anhängsel vermeiden zu können.

In der Regel kann die Behandlung einer spontanen Missbildung nur dann erfolgen, wenn sie sich auch in Symptomen zeigt, wenn das Kind also schon in den Brunnen gefallen ist.
Anhand des nachfolgenden Operationsprotokolls soll dies kurz erläutert werden, bevor wir uns der Frage zuwenden, wie diese Phänomene überhaupt zustande kommen können und was für Möglichkeiten es gibt, dem Ausbruch entgegenzuwirken.


Es war also nach einer dieser Angriffe aus dem Hinterhalt, als schließlich alle Verletzungen und Übelkeitsanfälle behandelt waren und wir gerade annahmen, dass vorerst wieder relative Ruhe einkehren würde, doch kaum war dieser Gedanke zu Ende gefasst, da kam bereits jener Patient in Sicht, der von einer gar üblen Groteske gezeichnet war – einem riesigen, kaum behaarten, fleischig-wulstigen Rattenschwanz!

Augenscheinlich war mit ihm alles in bester Ordnung, bis er uns den Rücken zudrehte und diesen Auswuchs entblößte, der sich auf Höhe des Steißbeins durch seine Roben gebohrt hatte.

Die erste Handlung, nachdem diese Entdeckung gemacht worden war, bestand nicht etwa darin, den Patienten bäuchlings zu fixieren, sondern fand auf Gesprächsebene statt und diente dazu, die Aufregung einzudämmen, verhältnismäßige Beruhigung herzustellen und das Schwanzkratzen zu unterlassen.
Es ist schwer vorstellbar, wie es sich anfühlen mag, plötzlich einen riesigen Schwanz im Rücken zu spüren, ist es doch bereits empathisch zuhöchst anspruchsvoll, sich in das andere Geschlecht hineinzuversetzen. Sind Mutationen bereits von Geburt an vorhanden, so wird der Betroffene gar kein anderes Gefühl kennen, doch im Fall späterer Veränderungen verhält es sich viel gravierender.
Die Folgen können neben massiver Irritation auch Panik bis hin zu Versuchen der Selbstverstümmelung sein.
So möge sich der geneigte Leser doch bitte einmal vorstellen, wie es wäre, plötzlich unverhofft an einen Schwanz zu geraten, oder – sofern bereits beschwänzt – ein Paar Extrafinger an jeder Hand.

Nachdem die Kontrolle über die Situation hergestellt wurde galt es, das volle Ausmaß der aufgetretenen Mutation zu erfassen.
Hierfür reicht allerdings eine äußere Betrachtung nicht aus, sie zeigt lediglich Symptome.
Wie anhand der Zeichnung deutlich werden sollte, erstreckte sich die mutationsbedingte Infektion noch um einiges weiter, als bloß auf den Steiß.
Wir vermuten, dass es sich bei den betroffenen Adern nicht bloß um Infekte handelt, wie wir sie von zu lange offenliegenden Wunden kennen, sondern dass noch mehr dahinter – und letztendlich auch hinter dem Prinzip der Mutagenität steckt, das sich bisher allerdings noch nicht wesentlich fassen ließ, unter anderem auch aufgrund der schieren Vielfalt auf dem Gebiet der unverhofften Entwicklung. Andererseits führt die grundlegende Erforschung jener Prinzipien auch höchstwahrscheinlich auf die Spur des Lebens selbst – ein Unterfangen so groß, das mir vorzustellen ich noch nicht recht vermag. Viele viele andere Geheimnisse müssen zuvor noch gelüftet werden und es würden Techniken benötigt, von denen wir heute nicht einmal träumen können.

Doch zurück zum Fall des Schwanzes:
Die Austrittsstelle wurde genauestens unter die Lupe genommen, um sicherzustellen, dass auch keine Knochen beschädigt worden waren und um die Körperregion auf eventuellen Blutstau zu überprüfen. Auch galt es, das Auftreten eventueller weiterer Auswüchse im Auge zu behalten und eindämmen zu können.

Schließlich war alles für die Amputation vorbereitet.
Bei der Abnahme eines fremden Körperteils ist es von großer Bedeutung, sich vorher im Klaren zu sein, wie dieser beschaffen ist, ob also mit Knorpel oder festem Knochenmaterial zu rechnen ist.
Entsprechend sollte dann das am besten geeignete Werkzeug genutzt werden.
Es hilft wenig, wenn mit dem Beil versucht wird, so nah am Rumpf des Patienten eine Extremität an der Wurzel abzuhacken, besonders, sollte sie knöchern sein.

Zum Glück lässt sich in den meisten Fällen gut feststellen, ob sich im Inneren ein Knochen oder bloß Knorpelmasse befindet. Zum Vergleich kann man sich sprichwörtlich an die eigene Nase packen – und anschließend beispielsweise an die Elle.

Für die feinere Arbeit gerade an empfindlichen Teilen des Körpers empfiehlt sich der Einsatz von gut geschärften Skalpellen und einer frisch gewetzten Schere, die bei größeren Sehnen zum Einsatz kommt, für die das Skalpell mehrere Sägebewegungen benötigen würde.
Bei der Entfernung ist vor allem darauf zu achten, dass die durchtrennten Adern keine Möglichkeit bekommen, ungehemmt weiter das Blut zu transportieren. Klemmen sind hier von absoluter Wichtigkeit! Das Ausmaß eines Versäumnisses in puncto Abklemmen kann von unerwarteten roten Springfluten, die ein Weiterarbeiten verhindern bis hin zur panischen Flucht des blutphobischen Assistenten führen – in keinem Fall also eine angenehme Sache.
In besonders unglücklichen Fällen soll übermäßiger Blutaustritt auch Aasfresser angelockt haben (dies ist aber nicht nur auf Schwanzmutationen beschränkt zu sehen) – also größtmögliche Vorsicht ist geboten!

Nach der erfolgreichen Trennung von Schwanz und Besitzer gilt es, die nun offene Wunde adäquat zu versorgen. Einerseits ist darauf zu achten, dass das Fleisch wieder sauber verheilen kann, andererseits sollte aber auch eine Reinigung des Blutes und umliegenden Gewebes erfolgen.
Hier empfiehlt es sich, auf bewährte Methoden wie den Aderlass für die Blutreinigung oder das Schröpfen für die tiefer liegenden Fleischschichten zurückzugreifen, aber auch die Anwendung einer magischen, bzw. alchemischen Detoxifikation oder gar einer spirituellen Katharsis erweist sich hier als wirksam.

Auf keinen Fall sollten gerade so empfindliche Areale wie der Steiß nach erfolgter Behandlung kauterisiert werden.
Dieses Vorgehen führt lediglich zu noch größerem Leid und Unbehagen als der Heilungsprozess für sich es bereits tut.
Stattdessen sollte lieber auf die Heilung unterstützende Maßnahmen gesetzt werden, wie beispielsweise der kehrseitenschonende Sitzring, der selbst unwirtlichste Stühle erträglich macht. Einfach ein sauberes Tuch zu einem Ring wickeln und unterlegen – ebenso einfach wie effektiv!

Es sei noch zu erwähnen, dass der beispielhaft beschriebene Patient im Nachhinein Einschränkungen im Bewegungsapparat zeigte, die sich in einem leichten Watscheln äußerten.
Sobald der chirurgische Eingriff also abgeschlossen ist, ist es empfehlenswert, dem Behandelten Unterstützung bei dem Wiedereinfinden in den Alltag und in normale Bewegungsabläufe zu bieten.

Abschließend stellt sich die Frage, was denn nun mit dem abgetrennten Körperteil geschehen soll, insbesondere, da es von vornherein nicht existieren sollte.
Die klassische Vernichtung durch Feuer zeigt sich hier definitiv effektiv.
Aber auch die Aufbewahrung in Alkohol zur Durchführung weiterer Versuche bietet sich an.
Es sei an dieser Stelle davor gewarnt zu versuchen, das Fleisch mit Salz haltbar zu machen.
Zwar wird es durch das Pökeln vor dem Verfall bewahrt, verliert jedoch einen Gutteil der enthaltenen Flüssigkeit. Und Forschung an einem derartig veränderten Körperteil ist nicht unbedingt als effizient und ergebnisreich zu bezeichnen.
Es sei hier noch vor jenen Stimmen gewarnt, die genaueres Auseinandersetzen mit den nicht mehr benötigten Auswüchsen als unlautere Praktik diffamieren könnten. Man lasse sich also generell nochmal das Einverständnis des „Spenders“ ausstellen, um auf der sicherstmöglichen Seite zu sein.

Willibald Zwergenbader




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